Erfahrungsbericht: 24 Stunden pH-Metrie (Langzeit-Säuremessung) der Speiseröhre

Diesen Beitrag schreibe ich vor allem für die jenen, die wie wir Eltern einen kleinen Kindes sind, welches wegen vermehrten Aufstoßens (Reflux) oder ähnlichen Synthomen eine Einweisung ins Krankenhaus erhielt, um dort den pH-Wert in der Speiseröhre mit einer Langzeit-Säuremessung, der sogenannten 24 Stunden pH-Metrie zu untersuchen. Denn ich glaube nicht nur wir waren ein wenig aufgeregt, als es hieß: „Unser Sohn muss eine Sonde schlucken“ Dieser Beitrag soll also helfen sich auf die Untersuchung im Krankenhaus vorzubereiten.

Bevor ich chronlogisch den Ablauf, der Untersuchung und unsere Erfahrungen im Krankenhaus niederschreibe möchte ich versuchen kurz zu erläutern, was den eigentlich bei einer 24 h pH-Metrie zu deutsch Langzeit-Säuremessung eigentlich gemacht wird.

Die Langzeit-pH-Metrie der Speiseröhre („Ösophagus“) ist ein modernes Untersuchungsverfahren des medizinischen Fachgebietes Magen-Darm-Heilkunde („Gastro-Enterologie“). * In derSpeiseröhre angewandt, kann Rückfluß von säurehaltigem Mageninhalt in die Speiseröhre („gastro-ösophagealer Reflux“, GER) erfasst werden. Dies erlaubt den direkten und mengenmäßigen Nachweis von saurem Reflux. * Im Magen angewandt, kann mit der Langzeit-pH-Metrie die Säurebildung im Magen erfasst werden. So ist direkt die natürliche oder eine krankhaft verminderte oder gesteigerte Säurebildung mengenmäßig nachweisbar.

Quelle: http://www.sodbrennen-welt.de

Diesen Vers habe ich mal zitiert, denn besser hätte ich es als NICHT-Mediziner sich nicht ausdrücken können.

 => Wie läuft das Ganze nun ab ?

Bei der Langzeit-pH-Metrie wird dem Kind ein ca. 1,5mm dicker Schlauch durch die Nase in die Speiseröhre eingeführt, ungefähr bis ins zweite Drittel der Speiseröhre. Hat der Arzt den richtigen Punkt gefunden, befestigt er den Schlauch mit Klebestreifen, so das sich der Schlauch 24 h nicht mehr bewegen kann, denn in dieser Posistion verbleibt er für eben diese 24 h. Während dieser Zeit muss das Kind einen kleinen tragbaren Computer mit sich führen (z.B. im Rucksack) und sich ganz normal bewegen, essen, trinken und natürlich schlafen.

Vom Elternteil, der mit im Krankenhaus verweilt ist in dieser Zeit Buch zu führen was der Kleine zu sich nimmt, und am Gerät müssen die verschiedenen Aktivitäten (ESSEN, AUFSTEHEN, SCHLAFEN, MEDIKAMENTE) dokumentiert werden.

pH-Metrie Registrierung Aktivitäten

Nach den 24 h wird das Ganze wieder deinstalliert, heißt Schlauch mit Sonde raus, es wird ein Protokoll gedruckt und dann erfolgt die Auswertung der Testergebnisse durch den Arzt.

 => Die 24 h pH-Metrie bei unserem Sohn chronologisch

7:30

Im Krankenhaus aufgenommen, wurde erstmal der allgemein Zustand unseres Sohn erfasst, wir mussten uns einem 30 min Frage-Antwort-Spiel (Wann und Wie schläft, das Kind?, Gibts Krankheiten in der Familie?, usw. widmen, und es wurde Blut genommen.

8:30

Leon erhielt ein Zäpfchen mit dem Wirkstoff Phenobarbital, einem Mittel was zu Beruhigung standardmäßig zur Narkosevorbereitung eingesetzt wird. Nach ca. 20 min schlief Leon.

9:10

Die Ärztin begann, die Sonde samt 1,5mm dicken Schlauch durch das linke Nasenloch bis in das zweite Drittel der Speiseröhre vorzuschieben. Danach befestigte sie den Schlauch an der Wange und legte ihn zu Entlastung hinter dem Ohr entlang (Siehe Foto). Es wurde das Aufnahmegerät programmiert und angeschlossen im Rucksack verstaut, waren wir fertig.

DSC_0154

Dieser Teil der Untersuchung ist auch der Meilenstein, der Untersuchung. Leon schrie trotz Phenobarbital wie am Spieß, aber nachdem alles befestigt war ließ er sich auch schnell wieder beruhigen und ca. 1h später, scheinte er das Schläuchlein gar nicht mehr zu spüren.

10:00

Wir waren auf Station angelangt, wurde in unsere Pension für die nächsten 24h verwíesen und dann bekam Leon erstmal Frühstück, eine Erlösung denn er war 6:00 aufgestanden und durfte aber bis jetzt nicht essen oder trinken, nichts für unseren Sohn mit gesunden Appetit.

Das Frühstück, bestand aus Toast mit Schokolade, einem Fruchtzwerg und Tee, also ganz normales Essen. So ist es auch gewünscht, der Tag soll so gestaltet werden wie ein alltäglicher Tag zu Hause auch.

11:30

Nach dem wir mit Leon eine Stunde im Spielzimmer der Frauen- und Kinderklinik verbrachten, den Schlauch schien er nicht mehr zu merken und er spielt ganz aufgeweckt ohne sich um das Gerät im Rucksack zu kümmern. Nun gab es dann also Mittagessen, auch wieder normale Vollkost (Gulasch, Gemüse, Kartoffelbrei und Tee)

14:30

Leon hatte ich nach dem Mittagessen hingelegt, er war binnen Sekunden eingeschlafen. Zu groß wohl doch der Stress des Vormittages. Nun kamen auch Mama und Schwester Selina zu Besuch, es gab zum Nachmittag Kekse und Tee. Danach haben wir uns den Garten der Klinik angesehen und die Kinder spielten auf dem Spielplatz.

17:30

Wieder im Zimmer, gab es zum Abendessen Brot mit Wurst und Käse. Danach freute sich Leon über ein Bad, und wiederum 1 h später war er wieder eingeschlafen.

7:00

Der Tag von Leon (Ich war schon seit 5:30 auf, zu unruhig schlief ich, zu Groß de Bedenken der Schlauch könnte sich lösen, zu Groß die Eindrücke des vergangenen Tages, aber Leon schlief dafür umso entspannter, was für mich das wichtigste war) begann mit Anziehen, Fieber messen  und anschließenden Frühstück (Brot, Käse, Schokolade)

8:00

Wäre eigentlich die Visite fällig gewesen, aber wir wurden zur Sonographie (zu deutsch Ultraschall) gebeten. beim Ultraschall wurden die inneren Organe (Magen, Leber und Nieren) untersucht, ein organischer Fehler konnte hier nicht festgestellt werden. Der Reflux dagegen schon, aber das war auch zu erwarten, denn das er Spucken tut war uns ja bekannt, deswegen waren wir hier. Aber es war erstmal beruhigend, zu wissen es ist nichts organisches was operiert werden muss.

10:00

Es war geschafft, wir fanden uns wieder in der Station F 130 ein, um die Sonde samt Schlauch und Gerät loszuwerden. Die Ärztin entfernte Schlauch mit Sonde und druckte das Testergebnis aus.

Die erste Diagnose: 

Im Schlaf sind die pH-Werte hoch was sehr gut ist, beim Spielen etwas niedriger aber noch absolut in Ordnung, Kurz nach dem Essen zwar sehr niedrig aber immer noch im grünen Bereich. 

11:30

Es gab Mittagessen (Nudel, Wurst und Tomatensoße). Danach kam die Ärztin mit dem entgültigen Befund der Ergebnisse.

Die pH-Werte sind wie oben bereits erwähnt erhöht, sinken aber zu keiner Zeit unter 4,0, was bedeuten würde das Säure aus dem Magen in die Speiseröhre gelangt. Somit kann der Reflux, das Aufstoßen oder Spucken nicht mit einem organischen Fehler in Verbindung gebracht werden.

Also alternative Ursachen nannte die Ärztin, das Alter und das es sich mit der Zeit noch legt, physische Probleme oder Unverträglichkeiten.

Wir führen nun Buch ähnlich wie in den 24h, in denen wir auch notieren mussten was er wann gegessen hatte. Um so nachzuweisen, ob er bestimmte Speisen oder ganze Speise Arten nicht verträgt. Weiter muss die Kinderärztin entscheiden wann sie zum nächsten Step bittet das wäre dann eine Magen-Spieglung. Ich war erstmal erleichtert als die Ärztin in der Kinderklinik sagte, „Sie würde im Moment von einer Magen-Spieglung absehen“, denn eine Magen-Spieglung, das habe ich schon 3 mal durchgemacht, möchte ich meinem Sohn gerne ersparen.

So nun habt ihr unseren Ablauf der 24 h pH-Metrie mal verfolgen können, und ich hoffe es nimmt euch etwas die Aufregung und hilft sich besser darauf einzustellen. Gerne könnt ihr eure persönlichen Erfahrungen im Kommentarbereich mit uns teilen.

Veröffentlicht von

Hallo ich bin Enrico Baier, im besten Alter, Energiegeladen und voller Spannung! Beruflich versuche ich mich als Elektroinstallateur. Privat bin ich Vater von 3 Kindern. Neben meiner Familie betreibe ich noch das Hobby der Digitalen Fotografie, und wenn dann immer noch Zeit bleibt, nehme ich hier im Blog alles in Kreuzfeuer was mir so begegnet.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Enrico,

    na da habt ihr ja was hinter euch gebracht. Zum Glück gibt es erst einmal keine Spiegelung. Ich finde es aber sehr gut, dass du das so genau aufgeschrieben hast, denn es hilft betroffenen Eltern sicher ein wenig nicht soviel Angst zu haben.

    Liebe Grüße
    Sandra

  2. Ich habe auch einen Sohn von jetzt 10 Jahren zuhause.
    Er hatte seit Geburt an einen Speißeröhren fehler, das soviel heisst das sie an gewissen stellen nicht zusammen gewachsen ist.
    Wir hatten bis vor 2 Jahren jedes Jahr opertationen und eben auch das mit der 24h ph methrie.Wir wissen wie mühsam und anstrengend das alles ist

    • Bei uns legten sich die Spukanfälle etwas, bis sie nun vor einer Woche wieder vermehrt auftraten. Dennoch hoffen wir unserem Sohn zumindest die OPs zu ersparen.

  3. Die alte pH-Metrie-Methode wird hier so niedlich dargestellt, dass man direkt Lust darauf bekommt.
    Das Gegenteil ist der Fall. Ich bin kein Weichei und habe Gastroskopie ohne Narkose und ohne Probleme hinter mir. Magensonde durch Nase ebenso – auch erträglich.
    Die vor kurzem durchgeführte pH-Metrie war mit Abstand das unangenehmste. Der Schlauch ist zwar nur ca. 1,2 mm dick aber sehr hart. Bei mir wurde er durch das linke Nasenloch geführt und lag so auch links des Kehlkopfes. Dies hatte – zumindest bei – mir folgende Auswirkungen:
    Essen und Sprechen mit nach links gewandtem Kopf war so gut wie nicht möglich, da sich der Schlauch irgendwie verklemmte und den Kehlkopf in seiner Bewegung so einschränkte, dass es zum Würgen kam. Auch schlafen auf der linken Seite war nicht möglich. Ähnliche Symptomatik wie eben beschrieben. Beim Essen sollte man den Kopf nicht abknicken, sondern gerade halten. Rechtswendung des Kopfes und sprechen war „ohne Einschränkung“ möglich.
    Natürlich war der Schlauch insgesamt unangenehm, Krabbeln im hinteren Nasen-Rachenraum, unangenehmes Druckgefühl beim Schlucken am Kehlkopf und leichte sporadische Missempfindungen (picken und drücken im Magenbereich). Letzteres, obwohl der Schlauch ja nur bis ein paar Zentimeter vor dem Mageneingang plaziert SEIN SOLLTE. Außerdem ist der Schlauch mit dem Aufzeichnungsgerät, im Stil eines 80-er Jahre Walkman, fest verbunden. Von wireless hat dieses System noch nichts gehört.
    Das was mich am meisten ärgert sind die leichte Übelkeit und das häufige Aufstoßen, was ich jetzt, zwei Tage nach dieser Untersuchung immer noch habe und vorher nicht hatte.
    Sehr ärgerlich, zumal wenn man Selbstzahler ist, ist die Tatsache, dass mich der Chef- HNO-Arzt nicht über die modernsten Möglichkeiten dieser Untersuchung aufklärte, sondern seine Uralt-pH-Metrie als die Innovation „verkaufte“. Ich hätte mal meinem Bauchgefühl vertrauen sollen, dann wäre ich gleich gegangen, nach etlichen Pannen in der Anmeldung und der laienhaft durchgeführten Untersuchung. Außerdem habe ich ausnahmsweise vorher einmal nicht Google befragt. Zwei Fehler meinerseits. Und nein, es ist keine Wald- und Wiesenklinik. Es ist eine sehr große Klinik in der größten Stadt Deutschlands.
    Was ich noch gelernt habe?
    Die „Guter Rat“ (Beste)Ärzteliste ist Schmarrn, aber richtiger Schmarrrrn! Wie ich beim googlen herausfand, wurden die Fähigkeiten der dort aufgeführten Ärzte nicht zur Grundlage gemacht, sondern ein hanebüchenes Kriterium. Die Ärzte wurden befragt zu welchem Arzt sie gehen würden, wenn sie an etwas erkrankt wären. Da waschen viele Händchen die anderen Händchen. Mehr muss dazu nicht gesagt werden.
    Was ich jetzt weiß?
    Es gibt die „BRAVO-pH-Metrie“-Methode, allerdings auch schon einige Jahre(!), bei der eine kleine Sonde unter kurzer Narkose an der Speiseröhre mittels Unterdruck befestigt wird und welche dann die Messergebnisse drahtlos an den Empfänger sendet. Nach 48 Stunden löst sich die Sonde von selbst und wird auf natürlichem Weg ausgeschieden. Ganz ohne lästigen Schlauch.
    Und es gibt die „Restech Dx-pH“-Methode, die mittels der Atemluft den PH-Wert bestimmt und wie auch bei der BRAVO-Methode die Messergebnisse drahtlos an das Empfängergerät sendet. Dabei wird nur ein kurzer Schlauch bis zum Rachen durch die Nase geführt und stört so nicht beim Schlucken, Sprechen etc.

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